in Restaurierung

Die Geschichte hinter einem Fahrzeug ist meist spannend. Manchmal liest sie sich wie ein Krimi!

Du stehst vor einem alten Auto, 60, 70 oder mehr Jahre alt und bewunderst dessen Formen. Wenn Du dessen Optik in Dir aufgesogen hast, dann beginnst Du Dich zu fragen, was mag dieses Fahrzeug schon erlebt haben, wer waren seine Besitzer? Die Kenntnisse über die individuelle Historie oder Provenienz eines Fahrzeugs wird immer beliebter und dieses Wissen steigert auch den Fahrzeugwert.

Wir haben u.a. die Geschichte eines Mercedes 300 SL Gullwing erforscht. Ist sie nicht interessant und hebt sich dieses spezielle Fahrzeug durch seine Geschichte nicht nochmals aus dem Kreis seiner ohnehin außergewöhnlichen Klasse heraus?

Barry Antony Vajar

Barry Antony Vajar

Erster Besitzer war Barry Antony Vajar

Barry ging mit 17 Jahren zur Marine um im Korea-Krieg zu kämpfen. Zurück in der Heimat lernte er Walt Disney kennen. Dieser engagierte ihn auf der Stelle und betraute ihn mit dem Aufbau des Disneylands in Orange County. Einige Zeit später wechselte er zu ABC Records und führte das Unternehmen. ABC Records hatte u.a. The Four Tops, The Fifth Dimensions, Ray Charls, Fats Domino oder John Lee Hooker unter Vertrag. Barry wohnte mit seiner Frau Judy sowie seiner Tochter Maria in Hollywood. Mit Judy und Maria haben wir Kontakt. Barry ist leider schon verstorben. Wir fragten Maria einmal bezüglich der auffallenden Ähnlichkeit von Barry mit James Dean und das war ihre Antwort: „Thank you so much for your lovely message! I am so happy the pictures came through well. You had referred to James Dean in your message, that made me smile. My dad knew James Dean, they had the love of cars and racing in common. Dad used to work on cars at a garage right across the street from the movie studio. Dad told me James Dean came over one day and told dad to not be so loud with the car because it was affecting the filming of the scene. They ended up becoming friends.“

Von Judy wissen wir, dass Barry mit diesem Fahrzeug nicht nur mit James Dean sondern auch mit John Lee Hooker durch Hollywood brauste. Fats Domino in jungen Jahren schon ein Schwergewicht, gelangte zwar in den Gullwing, doch habe es Mühe gekostet, ihn da wieder herauszubringen. Roy Orbison, der nicht bei ABC unter Vertrag war, wollte Barry zu einem Wechsel bewegen und hat ihn extra mit diesem Fahrzeug chauffiert, ohne Erfolg.

Nächster Besitzer war Arthur Whitsel Woodward

Arthur Whitsel Woodward

Arthur Whitsel Woodward

Woodward war Luftfahrt-Ingenieur bei der NASA. Woodward soll seitens der NASA für die Entwicklung des Lockheed SR-71 Blackbird verantwortlich gewesen sein. Woodward war in Norwalk Kalifornien gemeldet. Dort hat ihn aber niemand gesehen. Auch das Auto ist älteren Nachbarn völlig unbekannt. Vermutlich war diese offizielle Anschrift nur eine Deckadresse.  Von Woodward gibt es nur ein Foto aus seiner Jugendzeit. Er starb 2003 unter mysteriösen Umständen. Seine Todesursache wurde nicht bekannt gegeben. Sowohl beim FBI als auch in der Bibliothek des US Kongresses gibt es zu Woodward eine Akte, doch diese ist gesperrt. Woodward ist im Olive Lawn Memorial Park in La Mirada, Kalifornien begraben. Laut Auskunft des dortigen Friedhofsverwalters kommt regelmäßig eine vornehme alte Dame aus einer naheliegenden noblen Senioren Residenz an sein Grab. Wir haben es unterlassen zu versuchen, mit dieser Dame in Kontakt zu treten. Wir meinen, dass alles seine Grenzen hat. Der elegante Grabschmuck wird durch einen Gärtner angelegt, der von der NASA bezahlt wird.

Der dritte Besitzer war von ganz anderer Natur, es war Harry DeBoer

Harry DeBoer (Bild Mitte)

Harry DeBoer (Bild Mitte)

Harry DeBoer war ein Lebemann. Wie er zu seinem vielen Geld kam? Niemand weiß es. Was er mit seinem Geld machte, das war bekannt: Er gab es mit Freunden und Freundinnen aus. Und als die Party vorbei war, erschoss sich Harry. In seiner Sterbeurkunde (County of Riverside, California) steht: „shot self with a 38 Caliber Revolver“. Harry DeBoer vermachte seinen Besitz, hauptsächlich dieses Fahrzeug, an einen alten Freund. Dieser verkaufte das Fahrzeug nach Europa und von dort kam es in die Hände des heutigen Besitzer.

Woher wir das alles wissen?

Original Auslieferungsdokument

Original Auslieferungsdokument

Zunächst einmal raten wir unseren Kunden beim Kauf darauf zu achten, dass das Fahrzeug „matching numbers“ hat. Matching Numbers bedeutet, daß der Motor und das Getriebe dieselbe Nummer wie die Karosserie haben. D.h.: Es ist noch immer der Original-Motor und das Original-Getriebe in dem Auto, so wie es vom Band gelaufen ist. Es gibt allerdings auch Leute, wie wir, die das mit den Matching Numbers noch genauer nehmen. Wir achten darauf, dass das Produktionsdatum der Lichtmaschine etc. übereinstimmen. Also unsere Nachforschungen beginnen schon beim Kauf. Auch raten wir, dass das Original Auslieferungsdokument vorhanden ist. Ist das übertrieben? Naja, bei „günstigeren“ Fahrzeugen vielleicht. Aber, wenn man auch dort genau hinschaut und gründlich sucht, findet man ja vielleicht auch ein „machting numbers“ Fahrzeug und dann ist dieses immer einem anderen vorzuziehen. Möglicherweise hat man zunächst einen Jägerblick und will nur dieses Fahrzeug. Da raten wir Gemach, Gemach, schau gründlich. Das dürfte sich später lohnen.

Mit dem Auslieferungsdokument gingen wir im konkreten Fall zur Gullwing-Group.

Und siehe da, das Fahrzeug war dort registriert. Und damit hatten wir nicht nur alle Besitzer, sondern  auch den Anfang des berühmten roten Fadens. Naja, etwas Glück braucht man bei jeder Recherche.

Die Geschichte der Besitzer des Arnold-Mercedes

Die Geschichte der Besitzer des Arnold-Mercedes

Nun kann man sich fragen, ob sich dieser Aufwand nur für hochwertige Fahrzeuge lohnt? Das kommt drauf an. Wenn man die wesentlichen Daten – siehe oben –  hat, dann kann man relativ schnell ans Ziel kommen. Das Internet und viele digitalisierte Archive sind da außerordentlich hilfreich. Nicht so hilfreich ist der Datenschutz bei vielen Automobilherstellern. Wenn das Suchen im Netz nicht ausreicht und man Feldforschungen vor Ort betreiben muss, dann kann es schon zeitlich und finanziell aufwendiger werden. Aber – wie schon gesagt – was da für Geschichten aus der Versenkung der Zeit herauskommen, ist schon sehr interessant und einen gewissen Aufwand wert.

Wir haben von einem weiteren Fahrzeug die Geschichte erforscht und dokumentiert. Und zwar von einem Mercedes Benz 200 Cabrio (W21) von 1934. Wenn Dich die spannende Geschichte dieses Fahrzeugs und seiner Besitzer interessiert, dann kannst Du Dir das Buch „Der Arnold-Mercedes“ im Buchhandel kaufen oder komm vorbei und wir leihen es Dir aus.

Kommentare
  • Wick
    Antworten

    coole geschichte! merci

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