in Restaurierung

Als uns dieses Fahrzeug angeboten wurde, griffen wir sofort zu. Mittags hatten wir alle Informationen zusammen, nachmittags haben wir den Kauf mündlich perfekt gemacht. Am anderen frühen Morgen haben wir das Fahrzeug bereits abgeholt. Warum?  Natürlich nicht, wegen der „auffallenden“ Lackierung und auch nicht, weil die Karosserie und alle anderen Blechteile sowie der Innenraum in einem so miserablen Zustand sind. Wir haben dieses Fahrzeug gekauft, weil es selten und insbesondere, weil der  Motor,  das Getriebe und alle anderen mechanischen Teile in einem sehr guten Original-Zustand sind. Beweis: Das Fahrzeug läuft tadellos. Es stand in Binningen in der Nähe von Basel, also im gleichen Ort in dem Peter Monteverdi sein Unternehmen hatte. Am Freitag zur Rush-Hour sind wir dann ohne Probleme von dort ins Appenzeller-Land gefahren! Zugegeben: Im Gubrist-Tunnel hatten wir ein mulmiges Gefühl. Wenn wir dort stehen geblieben wären, dann hätten wir auf den Autobahnen Rund um Zürich ein Chaos ausgelöst. Aber alles ging gut.

 

Der ausschlaggebende Punkt warum wir dieses Fahrzeug gekauft haben ist, dass wir in den nächsten Monaten für einen Kunden ein Fahrzeug genau diesen Typs restaurieren dürfen.  Dazu werden wir sehr wahrscheinlich genau solche Teile brauchen, welche dieser „Teile-Spender“ in einem sehr guten und absoluten Original-Zustand hat. Nun müssen wir nicht mehr aufwendig suchen. Und so werden die benötigten Teile auch deutlich  kostengünstiger als wenn wir jedes Einzelstück auf dem Markt suchen und dann hätten teuer erstehen müssen. Und schauen wir einmal, wie viel und was wir da wirklich noch „ausschlachten“ müssen. Möglicherweise packt es uns irgendwann  später einmal und wer weiss, was wir dann noch aus diesem Teile-Lieferant noch alles zaubern werden. Vielleicht ein weiterer schicker Monteverdi SUV?

Der Monteverdi Safari galt als schönster und luxuriösester Geländewagen seiner Zeit. Er wurde auf der Basis des International Harvester Scout hergestellt. Der Monteverdi Safari begründete die Fahrzeugklasse der Luxus-SUV. Er hat einen Hinterradantrieb mit zuschaltbarem Vier-Rad Antrieb. Mehrere V8 Motoren standen zur Auswahl. So bot Monteverdi zunächst eine Version Chrysler Motoren mit 5,2 Liter und eine andere mit 5,9 Liter Hubraum an. In der Regel kam aber der technisch weitgehend baugleiche 5,7-Liter V8 mit 165 PS aus dem Harvester Scout zum Einsatz. Einige wenige Fahrzeuge sollen  den Chrysler King-Size-7,2-Liter Motor mit 305 PS erhalten haben. Unser Fahrzeug hat den üblichen 5,7 Liter-V8  Scout-Motor.

Die Nachfrage nach einem Monteverdi SUV ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Naja, diese Fahrzeuge sind alltagstauglich und ein ganz besonderer „Hingucker“. Moderne SUV haben viele. Einen Monteverdi hingegen haben nur ganz wenige Zeitgenossen.  Zu den Preisen für einen Monteverdi Safari oder für ein Monteverdi Fahrzeug, lässt sich nur schwer etwas sagen, da der Markt hier sehr eng ist und jedes Fahrzeug einzeln zu beurteilen ist. Hinzu kommt, dass die Automobile Monteverdi AG nie Zahlen veröffentlicht hat. Auch keinerlei Angaben zu Produktionszahlen. Wie groß also das potentielle Marktumfeld sein könnte, lässt sich seriös so gut wie nicht eruieren.

Peter Monteverdi

PeterMonteverdiPeter Monteverdi  wurde am 7. Juni 1934 geboren und starb am 4. Juli 1998.   Sein Lebensmittelpunkt war in Binningen in der Nähe von Basel. Und von dort haben wir auch dieses Fahrzeug. Es soll ein direkter Bezug zwischen unserem Fahrzeug und Peter Monteverdi geben. Darüber hinaus hat uns der Verkäufer noch weitere abenteurliche Geschichten zu oben abgebildeten Safari erzählt.  Doch das müssen wir erst noch genau überprüfen bevor wir selbst darüber berichten.

Peter Monteverdi war ein Schweizer Privatrennfahrer, Autobauer und Gründer der Automarke Automobile Monteverdi AG. Monteverdi fuhr in Europa zahlreiche Rennen. Nach einem schweren Unfall auf dem Hockenheimring im Jahr 1961 gab Monteverdi den Rennsport auf und widmete sich hauptsächlich seinem Unternehmen.

Automobile Monteverdi AG

Monteverdi MBM SP-100, Baujahr 1960

Schon in den frühen 1950er Jahre baute Peter Monteverdi unter dem Label MBM verschiedene Spezialfahrzeuge. Dabei handelte es sich meist um Rennwagen welche er für sich selbst sowie für einen ganz kleinen Kreis von ausgewählten Freunden entwickelte und herstellte.

Eines dieser Fahrzeuge war der legendäre MBM SP-100. Daneben führte Monteverdi einen eigenen Reparaturbetrieb und verkaufte Fahrzeuge verschiedener Marken, insbesondere verkaufte er Fahrzeuge aus dem Hause Ferrari.

1965 kam es zum Zerwürfnis mit Enzo Ferrari und Peter Monteverdi beschloss eigene Fahrzeuge in seinem eigenen Unternehmen, der Automobile Monteverdi AG herzustellen. Dabei wollte er sich an den Ansprüchen seiner Ferrari-Kunden orientieren. Insgesamt wurden 8 verschiedene Fahrzeugtypen in einer (zu) grossen Vielzahl an Varianten hergestellt.

1987 schlossen sich die Tore der Firma Automobile Monteverdi.

Besondere Fahrzeugtypen

monteverdi-safari

Monteverdi Sahara Baujahr 1978

Peter Monteverdi verwendete für seine Fahrzeugtypen bewährte Basisfahrzeuge als sog. „Spenderfahrzeuge“ um diese dann zu verfremden resp. zu verfeinern. Diese so veränderten Fahrzeuge nennt man auch „Boutique-Fahreuge“.

Für seine SUV-Modelle Sahara und  Safari griff er auf den International Harvester Scout zurück. Beim Sahara übernahm er sehr weitgehend den Scout. Es wurden auch nur sehr wenige Sahara Fahrzeuge verkauft. Beim Safari nahm Monteverdi deutlich mehr Veränderungen in Richtung einer Veredelung vor. Der Safari wurde so zum ersten Luxus-SUV und zum erfolgreichsten Mondeverdi Modell.

Neben den Geländewagen Sahara und Safari sind besonders die Modelle Monteverdi High Speed 375 und Monteverdi Hai 450 zu erwähnen. Die High-Speed-Reihe war deswegen besonders bedeutsam für Monteverdi, weil sie den Ruf des Unternehmens als Hersteller hochwertiger Sportwagen begründete, der noch heute besteht.

Monteverdi High Speed 375, Baujahr 1967

Der Monteverdi High Speed 375  hatte sein Debüt 1967 am Automobilsalon in Frankfurt. Basis dieses Schweizer Hochleistungs Coupés war das von Peter Monteverdi konstruierte Kastenrahmen-Chassis mit De-Dion Hinterachse und Chrysler 7,2 Liter-Motor. Die von Peter Monteverdi entworfene Karosserie wurde im italienischen Karosseriewerk Frua gebaut. Diese erste Kreation von Peter Monteverdi etablierte sich sofort in der höchsten automobilen Luxusklasse.

 

Der Monteverdi Hai 450 wurde als Mittelmotorcoupé konzipiert und 1970 vorgestellt. Er hatte eine knapp geschnittene, zweitürige Fließheckkarosserie mit Klappscheinwerfern. Die sehr geringe Höhe des Fahrzeugs zwang zudem zu einer

Monteverdi Hai 450 SS 1970

Monteverdi Hai 450 SS, Baujahr 1970

gebückten Sitzposition, in der kaum ein Fahrer längere Zeit auszuhalten vermochte. Insgesamt war der Passagierraum im Hai 450 zu knapp bemessen. Monteverdis Verkaufsleiter bestätigte später, dass man in der ersten Version des Hai kaum habe sitzen können. Angetrieben wurde der Hai von  einem Achtzylindermotor mit sieben Liter Hubraum vom Typ Chrysler 426 Street Hemi, der  etwa 360 PS leistete.

 

Der Monteverdi Tiara wurde 1982 vorgestellt und basiert auf der S-Klasse von Mercedes-Benz. Von Mercedes-Benz übernahm Peter Monteverdi die gesamte

Monteverdi Tiara Baujahr 1982

Monteverdi Tiara Baujahr 1982

Antriebstechnik sowie das Fahrwerk. Moteverdi bearbeitete im wesentlichen die Karosserie. Diese war damals sehr umstritten. Die meisten Beobachter waren der Ansicht, dass die eckigen Anbauten des Monteverdi nicht zu den fließenden Linien des Mercedes-Benz Basisfahrzeugs passten, welches nach allgemeiner Ansicht vieler Fachleute eine der besten Arbeiten des Mercedes Designers Bruno Sacco war.

Der Tiara wurde gelegentlich als „barock“ beschrieben, andere meinten, Monteverdi habe die S-Klasse so sehr entstellt, dass nicht einmal Mercedes-Benz das Auto noch erkenne.

Der Tiara kostete 1982 sage und schreibe 172.000 CHF. Ein Jahr später kostete der Tiara 187.000. CHF. Alles laut Verkaufsprospekt. ABER: Wie viele Tiara Fahrezuge wirklich gebaut und verkauft wurden ist nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich waren es nur etwa 10 – 15 Exemplare.

Monteverdi vor einem Comeback?

Im Tagesanzeiger vom 23. November 2013 sowie im Blick vom 23. März 2014 wird über ein Comeback der Marke Monteverdi spekuliert. Die der juristische Firmenmantel,  Automobile Monteverdi AG, existiert heute noch als Firma in Basel; Inhaber ist Peter Monteverdis langjähriger Lebensgefährte Paul Berger. Seit 2013 gibt es Berichte über ein Comeback der Marke. Danach plant Berger ein neues Fahrzeug mit dem Markennamen Monteverdi, das anlässlich des 50. Jubiläums der Marke im Jahr 2017 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt werden soll.

Schauen wir mal. Schön wäre es schon, wenn diese renommierte Schweizer Automarke wieder auferstehen könnte und so glanzvolle Autos wie damals produzieren würde.

Kommentare
  • Patrick Bischoff

    Ein schöner Blog zu einer tollen Automarke. Gratulation !

    – was die Stückzahlen anbelangt: vom Tiara wurden 3 Stück gebaut – leider ist ein Tiara vor kurzer Zeit in einer Sammlergarage zusammen mit mehreren DB W126 verbrannt. Es existieren also nur noch zwei Tiara – beide stehen im Werksmuseum in Binningen.

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