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Zur Person von Willy H. Felber

Willy Felber

Willy Felber

Willy H. Felber war gelernter Ingenieur und verdiente sein erstes Geld im Baumaschinenhandel. Nach seinen eigenen Angaben war er aber schon immer „Autoverrückt“. Schon als jugendlicher skizzierter er Fahrzeuge so wie er sich ein „vernünftiges Auto“ vorstellte. Bis daraus richtige Autos wurden, vergingen Jahre. Zunächst eröffnete er anfangs der 60iger Jahre in Morges nahe Lausanne unter dem Namen „Haute Performance Morges“ einen Autohandel. Er vertrieb Ferrari und Rolls Royce und machte damit gutes Geld. Dabei kam er auch mit einer illustren und wohlhabenden Kundschaft in Kontakt. Felber lebte von den vielen Petro-Dollars, welche in der West-Schweiz kursierte. So war der Scheich von Katar einer seiner besten Kunden.

Diese schwerreiche Kundschaft ermunterte Felber seine Vorstellungen von besonderen Automobilen umzusetzen. Dabei verfolgte Felber die Strategie, dass er bewährte Serienmodelle veränderte und veredelte. Dazu gründete er die „W.H. Felber Automobiles SA“. Felber stand mit seinen Fahrzeugen in direkter Konkurrenz mit Peter Monteverdi, über den und dessen Fahrzeuge wir schon berichtet haben. Felber kannte für seine Fahrzeuge nur eine Maxime: „Meine Fahrzeuge müssen zuallererst mir selber gefallen.“ Willy Felber hatte einen guten, erlesenen und ausgefallenen Geschmack.

Ferrari FF

Sein erstes Fahrzeug war der Ferrari FF. Dieser basierte auf einem Ferrari 330 GTC und wurde standesgemäß im Frühjahr 1974 auf dem Genfer Salon, ganz wie es sich für ein Fahrzeug mit Schweizer Herkunft gehörte, vorgestellt. Neben Willy Felber war an diesem Fahrzeug auch der Ex-Modeschaffende und Auto-Restaurator Robert Jankel beteiligt. Der Ferrari FF hatte einen Zwölfzylinder-Motor der etwa 300 PS leistete. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 230 Km/h. Von 0 auf 100 beschleunigte der Ferrari FF in 4.3 Sekunden. Das Fahrzeug stellte an seinen Fahrer hohe Ansprüche, denn bei einem Leergewicht von nicht einmal 1000 kg war es nicht einfach seine Kraft auf die Straße zu bringen. Die Resonanz auf den Ferrari FF war groß. Willy Felber entschloss sich daher eine Kleinserie zu produzieren. So entstanden im Laufe von vier Jahren zehn Exemplare. Der Ferrari FF kostete seinerzeit knapp 100 000 CHF.

Felber 365 GT4 „Croisette“

Im Jahre 1977 baute Felber den schnellsten Kombi der Welt. Den FF 365 Croisette. Croisette heißt auch die Promenade im Spielcasino von Monte Carlo. Die Karosserie des FF 365 wurde von Giovanni Michelotti im italienischen Grugliasco gebaut. Beim Felber 365 GT4 „Coisette“ handelt es sich um eine Abwandlung de Ferrari 400, der 1975 in ein Kombicoupé (bzw. einen Shooting Break) umgebaut wurde. Der Umbau wurde vergleichsweise unaufwendig gestaltet. Die C-Säule des Coupés blieb erhalten; lediglich das Dachteil wurde verlängert, und zusätzliche Fensterflächen sowie eine Heckklappe wurden installiert. Durch eine Lackierung des Dachs in Weiss (gegenüber einem Fahrzeugrumpf in Dunkelblau) wurde geschickt der Eindruck der Leichtigkeit des Dachaufbaus erzielt. Der Felber Croisette blieb ein Einzelstück.

Felber Beach Car

 

Der schon erwähnt Scheich von Katar bat Felber für ihnen einen Beach Car zu bauen. Gesagt, getan. Das auf dem Genfer Auto-Salon 1976 vorgestellte Fahrzeug war gewissermassen die Spassversion eines Ferrari. Das zweisitzige Auto hatte weder Dach noch Türen und übertrug das Konzept der Buggies auf grössere Dimensionen. Technische Basis war ein Ferrari 365 GTB/4 Spyder dessen Fahrgestell unverändert übernommen wurde. Es handelte sich um ein Einzelstück. Die Herstellung des Fahrzeugs übernahm wiederum Giovanni Michelotti.

Felber Oasis

Felber Oasis 1978

Felber Oasis 1978

Das am weitesten verbreitete Fahrzeug von Felber ist der Geländewagen Oasis.  Der Oasis war keine vollständige Eigenkonstruktion. Vielmehr verwendete Felber wie schon Peter Monteverdi die technische Basis des Internationala Harvester

Scout II.   Anders als Monteverdi, ersetzte Felber indes nicht die gesamte Karosserie des Harvester. Vielmehr wurden Fahrwerk und Aufbau beibehalten, lediglich die Frontpartie wurde in Aufsehen erregender Weise geändert. Die wesentlichen Modifikationen fanden unter dem Blech statt. Zum einen gestaltete Felber das Interieur mit Volllederausstattung, Sportsitzen und technischen Spielereien liebevoll und aufwendig neu; zum anderen gab man dem Kunden bei der Motortechnik nahezu freie Wahl. Felber installierte Motoren von Chevrolet und Chrysler, in einem Fall wird sogar von einem Achtzylinder von Rolls-Royce berichtet.  Vom Felber Oasis sollen insgesamt etwa 70 Fahrzeuge hergestellt worden sein. Sie wurde fast alle in den Nahen Osten verkauft. Angeblich soll der damalige libysche Staatschef Gaddafi 30 Exemplare für seine Leibwächter geordert haben.

Felber Excellence

Felber Excellence Baujahr 1979

Felber Excellence Baujahr 1979

Beim 1970 vorgestellten Felber Excellence handelt es sich um einen Ford Pontiac -Firebird, der mit neuer Front- und Heckpartie versehen worden war und seinen Insassen mit einer luxuriösen Innenausstattung – Sonderwünsche wurden selbstverständlich erfüllt – verwöhnte. Besondere Sorgfalt wiedmete man dem Edelholz-Armaturenbrett, für dessen Bedienungsknöpfe die Halbedelsteine Achat und Tigerauge verarbeitet wurden. Ein Felber Excellence kostete die stolze Summe von CHF 70.000.00. Vom Excellence wurden bis 1980 insgesamt 12 Exemplare gebaut.

Felber Lancia Spider FF

Paralell zum den Felber Ferraris entstanden eine ganze Reihe von Lancias. Die ersten Versuche kann man als Prototypen

Felber Lancia FF 1977

Felber Lancia FF 1977

bezeichnen. Erst als Giovanni Michelotti sich dem Design annahm, änderte sich das. Mit Michelottis Hilfe wird aus einemursprünglich hässlichen Entlein ein flotter Schwan. Der am Genfer Automobilsalon im März 1976 vorgestellte FF Lancia Spider war gegenüber seinen Vorläufern kaum wieder zu erkennen.  Michelotti hatte den Entwurf geglättet und geschickt moderne und historische Elemente gemischt.

Die Automobil Revue schrieb:
“Der zweite Blickfang am Stand ist der FF Lancia Michelotti. Es handelt sich dabei um eine vom Lancia Beta abgeleitete Luxuslimousine mit Michelotti-Karosserie. In den wesentlichsten Zügen ist die Form unverändert geblieben, doch vor allem die Frontpartie, die entfernt an den früheren Alfa Romeo 2600 Sprint mit Zagato-Karosserie erinnert, unterscheidet sich deutlich vom Original. Das Interieur ist ausgesprochen luxuriös. Dieser FF Lancia Michelotti soll für rund 36 000 Franken zu haben sein.”

Der Felber Lancia Spider FF kostete 1977 CHF etwa 45.000.00. Einen serienmässigen Beta Spider konnte man für knapp die Hälfte kaufen.

Felber Pacha

Felber Pacha 1980

Felber Pacha 1980

1980 stellte Felber auf dem Genfer Salon den Pacha vor. Der Pacha basierte auf dem frontgetriebenen Buck Skylart  und wurde von Felber mit einer eigenständigen, eckigen und insgesamt klobig wirkenden Frontpartie versehen, die zwei Breitbandscheinwerfer und wiederum den hauseigenen Kühlergrill aufwies. Im Interieur wurden luxuriöse Veränderungen nach Kundenwunsch vorgenommen. Der Pacha war in zwei- und viertüriger Ausführung erhältlich. Eine Werbebroschüre von 1979 versprach „diskreten Luxus in handwerklicher Vollendung“ („une voiture de luxe discret, la finition artisanale“); der Pacha sei ein „Beweis des guten Geschmacks“.

Insgesamt wurden 35 Exemplare gebaut. Einzelne Fahrzeuge existieren in der Schweiz noch.

Weitere Fahrzeuge

Felber Rubis Baujahr 1979

Felber Rubis Baujahr 1979

Willy Felber entwickelte noch eine ganze Reihe weiterer Fahrzeuge. So einen Felber VW Golf Spezial, der über einen veränderten Kühlergrill sowie eine Innenausstattung aus aus weissem Leder samt Klimaanlage verfügte. Auf der Basis eines Autobianchi A 112 entwickelte Felber den Rubis. Als besonderer Gag brachte Felber an beiden Seiten einen sgtilisierten Spannbügel an, so wie er früher an Verdeckten bestimmter Kutschen zu sehen war. Der Rubis war nicht sonderlich erfolgreich. Jedenfalls nahm man ihn bald aus dem Programm.

Wie endete die Geschichte?

Felber Emblem

Felber Emblem

Willy Felber hatte sich später wieder auf die Restaurierung von Oldtimern beschränkt und gemeinsam mit seinem Schwiegersohn die Haute Performence Morgens weiter geführt. Leider kam es nicht mehr zur Wieder-Belebung der W.H. Felber Automobiles SA. Sie wurde liquidiert und im April 1991 aus dem Handelsregister gelöscht. Willy Felber verstarb im Dezember 2002.

 

 

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